„Mit 80 ist Schluss mit dem Autofahren.“ Das hatte ich mir fest vorgenommen. Letztes Jahr bin ich 81 geworden – und ich habe Wort gehalten. Der Auslöser war eine Fahrt mit einem älteren Bekannten durch Landshut. Mir wurde dabei angst und bange wegen seiner kleinen Unsicherheiten: zu spätes Reagieren und Orientierungsschwierigkeiten. Da begriff ich, wie schnell aus Gewohnheit ein Risiko wird. Wenige Wochen später lag mein Autoschlüssel in der Schublade.
Mehr als nur von A nach B kommen
Wer in Niederbayern lebt, weiß: Mobilität ist weit mehr als Fortbewegung. Mal eben nach Pfarrkirchen zum Einkaufen fahren oder Bekannte im Nachbarort besuchen – vieles wirkt selbstverständlich, bis es das nicht mehr ist. Mobilität hat eine psychologische Seite: Sie steht für Freiheit und das Gefühl, das eigene Leben selbst zu gestalten. Schrumpft dieser Radius, drohen Abhängigkeit und Einsamkeit. Beim Autofahren im Alter geht es nicht nur um Reaktionszeiten, sondern um Würde und Identität.
Kurz die Zahlen – ohne Vorurteile
Das Klischee vom „gefährlichen Senior am Steuer“ stimmt so nicht. Statistisch verursachen junge Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren deutlich häufiger Unfälle. Senioren sind seltener beteiligt. Allerdings wird älteren Fahrern ab etwa 75 Jahren bei Unfällen häufiger die Hauptschuld zugewiesen. Zudem sind wir im Alter verletzlicher und tragen ein höheres Risiko für schwere Unfallfolgen.
Erfahrung hilft – aber sie ersetzt nicht alles
Viele ältere Autofahrer gleichen Einschränkungen erstaunlich gut aus, indem sie Nachtfahrten, dichten Berufsverkehr oder schwierige Strecken im Winter meiden. Doch der Abbau kommt schleichend. Oft sind es Kleinigkeiten, die Angehörigen zuerst auffallen: der vergessene Schulterblick, kleine Schrammen am Wagen oder Probleme mit der Orientierung. Darüber offen zu sprechen, ist für niemanden leicht. Ein objektiver Rat vom Hausarzt oder eine Rückmeldefahrt mit einem Fahrlehrer können hier helfen.
Und wenn es dann sein muss, fällt vielen der Verzicht aufs Autofahren schwer. Aber wahre Selbstbestimmung bedeutet nicht, möglichst lange am Lenkrad festzuhalten, sondern rechtzeitig vernünftige Entscheidungen zu treffen.
Ich muss gestehen, dass ich es besser hatte als viele andere: Meine Frau ist jünger und fährt sehr gerne Auto. Sie übernahm fortan das Steuer. Inzwischen entdecke ich sogar die angenehmen Seiten des Beifahrerdaseins: Man sieht mehr von der Landschaft, muss sich nicht über die Parkplatzsuche ärgern und darf sogar kluge Kommentare geben.
Wie sehen Sie das? Haben Sie sich selbst eine Grenze gesetzt oder nutzen Sie schon Alternativen auf dem Land? Wir freuen uns auf Ihre Gedanken in den Kommentaren!

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