Es beginnt harmlos. Ein lauer Sommerabend, ein Straßenfest.
Aus den Lautsprechern kam Musik im Neunziger-Sound.
Das Beste? Man konnte sich super unterhalten, weil’s nicht zu laut war. Ich sitze am Biertisch, halb im Schatten, halb im Gespräch mit Bekannten. Die Stimmung ist entspannt – bis das Thema Politik aufkommt.
„Also ich sag’s mal so: Der Trump, der hat wenigstens mal durchgegriffen.“
Plötzlich Stille. Die Gespräche stocken, ein paar Blicke wandern über den Tisch.
Dann legt er nach:
„Und bei uns? Da wär’s auch mal Zeit für Klartext. Nicht dieses ewige Drumherumreden von den Altparteien. Ich finde die da gut, die mit dem blauen Logo – du weißt schon, welche ich meine.“
Er schaut mich direkt an. „Oder siehst du das anders?“
Ich nehme einen Schluck, stelle mein Glas ab und antworte ruhig:
„Ja, ich sehe das tatsächlich anders. Ich bin froh, dass wir in einer Demokratie leben – auch wenn manchmal alles länger dauert und nicht jeder Vorschlag begeistert. Aber wenigstens wird gestritten, abgestimmt, erklärt. Mir ist das lieber, als wenn einer einfach entscheidet und alle anderen nur zustimmen dürfen.“
Er winkt ab. „Aber die haben doch 20 % bei der letzten Wahl bekommen. Und das wird einfach ignoriert! Das ist doch nicht demokratisch.“
Ich nicke. „Doch, genau das ist Demokratie. Dass diese 20 % ihre Meinung sagen dürfen – aber eben auch, dass die anderen 80 % widersprechen können. Demokratie heißt nicht, dass jede Meinung zur Mehrheit wird, sondern dass jede gehört wird. Und manchmal heißt es eben: Danke für eure Meinung, diesmal hat sich eine andere durchgesetzt.“
Am Tisch wird wieder getrunken, einige schauen in ihre Gläser. Einer nickt leise.
Niemand wird laut, niemand ruft „Halt’s Maul“. Das ist gut so.
Ich nehme noch einen Schluck. Das Bier ist mittlerweile lauwarm. Aber es ist mein Bier – gebraut, kontrolliert, versteuert, frei verkauft. So soll es sein.
Am Ende des Abends sitze ich zu Hause, denke nach und frage mich, ob ich die richtigen Worte gefunden habe. Demokratie ist oft unbequem – für alle Seiten. Aber vielleicht reicht es manchmal, freundlich zu sein, zuzuhören und ehrlich zu bleiben.

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